Wirtschaftsstandort Mannheim

Eine gute Wirtschaftspolitik für zukunftssichere Arbeitsplätze in Mannheim ist kein Widerspruch zu einer umweltverträglichen und nachhaltigen Stadtentwicklung.

Eine gute Wirtschaftspolitik für zukunftssichere Arbeitsplätze in Mannheim ist kein Widerspruch zu einer umweltverträglichen und nachhaltigen Stadtentwicklung.

Für die Zukunft unserer Stadt wird es entscheidend sein, ob die hiesigen Unternehmen, ob Großindustrie, Mittelstand, Handwerk oder Einzelhandel, den notwendigen ökologischen Strukturwandel erfolgreich bewältigen, oder ob die ökologische Modernisierung der Industriegesellschaft und damit die Wirtschaft und Arbeit der Zukunft andernorts stattfindet. Wir befürworten die neue wirtschaftspolitische Strategie der Stadt Mannheim, an deren Entwicklung wir mitgearbeitet haben. Wir wollen den traditionsreichen Industriestandort Mannheim zu einer modernen Wirtschaftsmetropole weiterentwickeln, die neben den traditionellen Industrien von der Dynamik der kleinen und mittleren Unternehmen in neuen Zukunftsbranchen geprägt sein wird. Eine große Chance dafür bieten die Konversionsflächen: Sie bieten einerseits attraktiven Wohnraum für Fachkräfte aus aller Welt und andererseits ideale Standorte für junge oder expandierende Unternehmen. Wirtschaftsförderung bedeutet für uns nicht, möglichst schnell viel Fläche an Unternehmen zu vergeben (Stichwort: Logistikzentren), sondern eine Ansiedlungspolitik für die Arbeitsplätze von morgen. Deshalb setzen wir uns für ein Existenzgründungszentrum unter dem Dach der Mannheimer Existenzgründerzentren auf dem Gelände der Coleman Barracks ein, und zwar mit dem Schwerpunkt Energiewirtschaft und Speichertechnologien – eine ideale Ergänzung in Nachbarschaft zu einem von uns favorisierten Energiemusterpark im Norden Mannheims. Ganz besonders wollen wir uns für Ansiedlungen aus den Branchen Niedrigenergie und Biotechnologie einsetzen.

Gründungsförderung

Die zielgruppengenaue Existenzgründerinnen- und Exitenzgründerförderung in Mannheim ist eine Erfolgsgeschichte, die wir zur Steigerung der wirtschaftlichen Dynamik unserer Stadt fortsetzen möchten. In enger Verzahnung mit dem Deutsch-Türkischen Wirtschaftszentrum, der Wirtschaftsförderung und weiterer Akteure wollen wir Strukturen schaffen, die dabei helfen, die unternehmerischen Aktivitäten von Migrantinnen und Migranten zu unterstützen. Das ist besonders vor dem Hintergrund qualifizierter Einwanderer aus Südosteuropa das Gebot der Stunde. Wir wollen die Beratungs- und Serviceangebote für Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationshintergrund ausbauen. An den speziellen Angeboten für Frauen werden wir festhalten.

Ökonomie und Ökologie

Der wirtschaftliche Erfolg der Zukunft hängt unmittelbar davon ab, ob es gelingt, Wohlstand und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Dazu ist ein ökologischer Strukturwandel und die Steigerung von Energie-und Ressourceneffizienz, aber auch eine Veränderung in der Nachfrage und im Konsumverhalten notwendig. Ein besonderes Anliegen ist uns der sparsame Umgang mit Flächen. Besonders die neu zu entwickelnden Konversionsflächen dürfen nicht verschwenderischem Flächenverbrauch zum Opfer fallen. Für uns hat die Reaktivierung bestehender Gewerbeflächen Vorrang vor der Ausweisung neuer Gewerbegebiete. Und dort, wo neue Gewerbeflächen entstehen, muss eine möglichst flächenschonende Gestaltung oberste Priorität haben. Mehrgeschossige Bauten, gemeinsame Nutzung von Parkplätzen durch mehrere Unternehmen und gute Erschließung mit dem ÖPNV können dazu beitragen, dass die Fehler der Vergangenheit vermieden werden. Die Einhaltung des bestehenden Zentrenkonzepts hat für uns oberste Priorität. Vor dem Hintergrund der frei werdenden Konversionsflächen wollen wir eine zügige Weiterentwicklung des Zentrenkonzepts auf die neuen Stadtgebiete.

Verbraucherschutz

Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen gute Rahmenbedingungen, um gute Kaufentscheidungen treffen zu können. Wir setzen uns für eine Stärkung des Wirtschaftskontrolldienstes ein, um einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln, die Einhaltung des Arbeitsrechtes sowie die Auflagen des Jugendschutzes und die Begrenzungen im Bereich des Glücksspiels sicherzustellen. Über verbraucherrelevante Verfehlungen sollen die Bürgerinnen und Bürger im Internet informiert werden.

Regionaler Wirtschaftskreislauf

Der Gegentrend zur Globalisierung lautet Regionalisierung. Wir wollen die regionalen Wirtschaftskreisläufe stärken, indem wir das Bewusstsein für regionale Produkte schärfen. Regional einkaufen ist Umweltschutz und Wirtschaftsförderung, denn kurze Transportwege schonen die Umwelt und sichern Arbeitsplätze vor Ort. Insbesondere die Landwirtschaft in der Metropolregion Rhein-Neckar und das Handwerk werden von dieser Ausrichtung profitieren. Wir möchten, dass die Stadtverwaltung Mannheim hier mit gutem Beispiel vorangeht und Überlegungen anstellt, wie neben sozialen auch ökologische Kriterien zur Bedingung für kommunale Vergaben gemacht werden können. Das lokale Handwerk ist bereits heute einer der wichtigsten Partner, wenn es darum geht, Klimaschutz vor Ort zu verwirklichen. Wir wollen sowohl den Klimaschutz als auch das Handwerk durch gezielte Förderung von energetischer Sanierung stärken. Klimaschutz und Energieeinsparung können nur Hand in Hand mit der Wirtschaft gelingen. Die Vermeidung langer Transportwege gehört dazu, auch dies ist Ziel einer nachhaltigen Beschaffung . Wo die Stadt selbst Anbieter ist, zum Beispiel in den kommunalen Kantinen, oder wo Aufträge vergeben werden, soll der Anteil regionaler und nach Bio-Standard erzeugter Lebensmittel erhöht werden. Produkte, die im Verdacht stehen, in Kinderarbeit hergestellt zu werden, wie z.B. Grabsteine, haben wir erfolgreich von der Beschaffung ausgeschlossen. Auf unsere Initiative hin hat sich die Stadt intensiv um fairen Handel und Beschaffung gekümmert und das Siegel als „Fairtrade-Stadt“ erhalten. Hier wollen wir weitere Schritte gehen.

Tourismus

Die Übernachtungszahlen in Mannheim liegen inzwischen über denen Heidelbergs, was vor allem dem starken Kongresswesen in Mannheim geschuldet ist. In den vergangenen Jahren hat sich darüber hinaus der Tourismus neu entwickelt. Die großen Kultureinrichtungen in Mannheim haben bundesweite Strahlkraft bekommen, die Einkaufsmetropole Mannheim hat trotz großer Investitionen in den Nachbarstädten ihren Glanz behalten, und die Zahl der in Mannheim gastierenden Flusskreuzfahrtschiffe und Touristenbusse nimmt stetig zu. Wir wollen die Rahmenbedingungen dafür verbessern, so dass in Zukunft die Übernachtungsgäste auch angemessene Hotelpreise vorfinden und stehen der Ansiedelung neuer Hotels offen gegenüber. Wir halten zudem an der Erneuerung der Planken fest. Schließlich gilt es, die Infrastruktur zu überprüfen und zu verbessern, wo immer sich ortsfremde Menschen in unserer Stadt bewegen. Um den Aufenthalt in der Innenstadt noch angenehmer zu gestalten, möchten wir die Ausweisung neuer Fußgängerzonen und die Nutzung des Straßenraumes und öffentlicher Plätze gemeinsam mit den Einzelhändlern vor Ort realisieren. Außerdem wollen wir die Sperrzeiten überprüfen. So wollen wir beispielsweise die sommerlichen Sperrzeiten auf den Monat September ausdehnen.

Familie und Beruf

Der Fachkräftemangel ist offensichtlich, der Kampf um kluge Köpfe längst voll im Gange. Wir möchten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Fachkräfte für Wirtschaft und Forschung gerne zur Arbeit nach Mannheim kommen. Und dass sie auch gerne in unsere Stadt ziehen. Dazu muss die Infrastruktur stimmen, das Angebot an adäquatem Wohnraum, wofür gerade die Konversionsflächen ein großes Potenzial bieten, die Qualität der Bildungseinrichtungen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir brauchen daher flexible und familienfreundliche Betreuungsangebote. Schließlich wollen wir aber auch die Lebensqualität als Standortfaktor begreifen und diese weiter verbessern, indem wir Mannheim grüner machen, durch Grünzüge und Verkehrsreduzierung für gute Luft  sorgen, und indem wir Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten erhalten und ausbauen.

Arbeitsmarktpolitik und Ausbildung

Wir möchten es allen Menschen ermöglichen, einer existenzsichernden Beschäftigung nachzugehen. Dazu sind ausreichende und attraktive Arbeitsplätze in jedem Qualifikationsniveau nötig, die gerecht entlohnt werden und faire Arbeitsbedingungen aufweisen. Wir möchten alle Jugendlichen zur Ausbildungsreife führen und brauchen auch in Zukunft engagierte Unternehmen, die ihnen eine gute Ausbildung in Mannheim ermöglichen. Wir wollen, dass die Stadt Mannheim als Arbeitgeberin mit gutem Beispiel vorangeht. Wir stehen für eine aktive Beschäftigungspolitik, die insbesondere denjenigen hilft, denen aufgrund vielfacher Vermittlungsprobleme der Weg in den ersten Arbeitsmarkt ansonsten versperrt bleibt. Wir wollen durch kommunale Beschäftigungsprogramme keine Konkurrenz zu Handwerk und Kleinunternehmen entstehen lassen, sondern Menschen mit Vermittlungshemmnissen durch Qualifizierungs- und Arbeitsangebote den Weg in den ersten Arbeitsmarkt aufzeigen und ihnen so wieder eine Perspektive bieten.

Teilzeitausbildung

Alleinerziehenden muss die Möglichkeit gegeben werden, Erziehung des Kindes und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Dazu bietet die Teilzeitausbildung eine Möglichkeit. Vereinzelt werden diese Ausbildungsplätze schon angeboten, die Nachfrage ist allerdings um einiges größer. Wir wollen für diese Form der Ausbildung werben, und zwar bei der Stadt Mannheim und ihren Eigenbetrieben, bei den Freien Trägern und in der Wirtschaft.

Ausbildungsbegleitung

Hier geht es um die Unterstützung von Jugendlichen, die eine Ausbildung absolvieren. In Zusammenarbeit mit Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen werden Jugendliche auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Ausbildungsabschluss begleitet. Wir wollen, dass alle Jugendlichen die Chance auf einen Ausbildungsplatz erhalten und durch die Möglichkeit der unterstützenden Begleitung diese Ausbildung auch mit einem anerkannten Abschluss beenden.

Produktionsschulen

Produktionsschulen können ein weiter Schritt für Jugendliche sein, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine wirklichen Chancen haben. Praktisches Lernen steht im Vordergrund. Fachqualifikation und soziale und methodische Kompetenzen werden an Hand von Produktionsprozessen erarbeitet. Gerade für Jugendliche, die in der Regelschule oft negative Lernerfahrungen gemacht haben, ist die Produktionsschule ein Ort, an dem sie durch praxisorientierte Anleitung und tatsächliche Produktion von Waren für den Verkauf die Möglichkeit haben, positive Lernerfahrungen zu machen. Wir wollen solche Produktionsschulen unterstützen.