Mobilität

Alle Verkehrsmittel haben ihre Berechtigung. Weniger motorisierter Individualverkehr bedeutet aber mehr Raum für den Menschen, eine gesündere Umwelt und mehr Sicherheit.

Alle Verkehrsmittel haben ihre Berechtigung. Weniger motorisierter Individualverkehr bedeutet aber mehr Raum für den Menschen, eine gesündere Umwelt und mehr Sicherheit.

Auf Mannheims Straßen fahren zu viele Kraftfahrzeuge. Sie erzeugen Staus, behindern die Mobilität und tragen bei zu einer nicht akzeptablen, weil gesundheitsgefährdenden Luftverschmutzung. Auch Verkehrslärm beeinträchtigt die Lebensqualität an vielen Stellen der Stadt mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. Wir setzen daher auf eine andere Mobilität. Zukunftsorientierte und klimaschonende Mobilität ist vernetzt. ÖPNV, Carsharing sowie Rad- und Fußverkehr müssen intelligent verknüpft und priorisiert werden. Klima-, Lärmschutz und Gesundheit verlangen nach der Stärkung des Rad- und Fußverkehrs. Derzeit werden in Mannheim nur etwa 4,50 Euro jährlich je Einwohnerin und Einwohner für die Infrastruktur des Radverkehrs ausgegeben. Wir wollen mindestens eine Vervierfachung dieser Investitionen erreichen. Um weg von der aktuellen KFZ-orientierten Sicht und hin zu einer Sicht auf alle Verkehrsarten zu kommen fordern wir daher an erster Stelle ein Mobilitätskonzept für die Gesamtstadt, das an die bereits vorhandenen Gutachten anknüpft. Dieses soll in Zusammenarbeit mit den Nachbarstädten und mit Blick auf die demographische Entwicklung erstellt werden. Dabei müssen ebenso notwendige Veränderungen hinsichtlich des Klimaschutzes sowie die Verteuerung von Treibstoffen und Energie in die Betrachtungen einfließen.

Fußgängerinnen und Fußgänger

Jahrzehntelang wurden die Straßen für Autos frei gemacht. Mannheim braucht nun endlich ein Konzept mit dem Ziel: Raum für Menschen statt für Blech. Kinderwagen und Rollstühle stehen oft vor Hindernissen. Fußgängerinnen und Fußgänger werden aber auch durch Radfahrerinnen und Radfahrer, die sich vor beengten Verhältnissen von der Fahrbahn auf die Gehwege flüchten, bedrängt. Daher fordern wir schärfere Kontrollen gegen zugeparkte Rad- und Gehwege auch in den Abendstunden sowie die Installation von Sperrpfosten oder schweren Blumenkübeln, um das Zuparken zu verhindern. Wir wollen uns auch für neue Parkkonzepte einsetzen, zum Beispiel in manchen Bereichen einseitiges Parken – damit wird der gesamte Straßenraum sicherer für alle. Die Barrierefreiheit wollen wir weiter vorantreiben und unattraktive Maßnahmen wie Unterführungen nach Möglichkeit vermeiden oder schließen, so z.B. die sogenannte Borelly-Grotte.

Radverkehr

Am 12. Juni 1817 unternahm Karl Drais die erste Fahrradfahrt der Geschichte.  Es gibt Anlass zur Sorge, dass Mannheim mit dem Umsetzen von Fahrrad-Infrastrukturplänen und dem 21-Punkte-Programm für mehr Radverkehr im Hintertreffen ist. Um 2017 das Drais-Jubiläum gebührend feiern zu können, bedarf es eines konsequenten und mutigeren Vorgehens in Mannheim. Dazu gehört die zügige Umsetzung geplanter Maßnahmen wie Radspuren auf der Bismarckstraße, der fahrradgerechte Umbau des Friedrichsplatzes, der Boulevard Kaiserring, der Bau von Fahrrad- und Fahrradschnellstraßen, die Freigabe aller Einbahnstraßen, die dafür die gesetzlichen Vorgaben erfüllen, für das Radfahren in Gegenrichtung. Unser Ziel ist, dass sich der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen in Mannheim bis 2030 auf 40 Prozent erhöht und zur Erfolgskontrolle alle zwei Jahre gezählt wird. Dafür sehen wir weitere Maßnahmen als notwendig an: Es müssen durchgängige und direkte Radverbindungen von der Innenstadt in die Stadtteile sowie zwischen den Stadtteilen geschaffen werden. Die Fußgängerzonen in der City müssen zeitlich begrenzt durchfahren und an mehreren Stellen gequert werden können – das muss bei der Umgestaltung der Planken entsprechend berücksichtigt werden. In Nord-Süd und in West-Ost wollen wir jeweils eine Fahrradstraße in den Quadraten sowie auf der Augustaanlage einen eigenen Radweg. Dringend nötige Instandsetzungen vorhandener Radwege dürfen nicht weiter verzögert werden. Ausreichend Stellplätze für Fahrräder, die zumindest an ÖPNV-Haltestellen überdacht sind, und Fahrradparkhäuser müssen bei der Stadtplanung Priorität bekommen. Eine Fahrrad-Stellplatzverordnung soll für die Schaffung adäquater Fahrradstellplätze vor Geschäften sowie in Höfen von Wohngebäuden und in Parkhäusern sorgen. Wir fordern nicht zuletzt die Schaffung eines dichten Netzes von Leihradstationen und Vorrang für den Radverkehr an Ampeln. Dieses Maßnahmenpaket für den Radverkehr muss im Rathaus geschnürt werden – dafür muss ausreichend Personal abgestellt oder eingestellt werden. Den Runden Tisch Radverkehr wollen wir für Bürgerbeteiligung öffnen.

Verkehrsberuhigung

Für die Verkehrsberuhigung, die ein Plus an Lebensqualität und ein Minus an Gefahren mit sich bringt, wollen wir Tempo 30 überall dort, wo es rechtlich möglich ist, auch in Erschließungs- und Durchgangsstraßen einführen. Außerdem wollen wir als Einstieg zwei autofreie Wochenenden pro Jahr in der Innenstadt innerhalb des Rings. Wir fordern die Einrichtung von verkehrsberuhigten Bereichen in der Innenstadt, zum Beispiel auf der Kunststraße sowie in der Fressgasse zwischen Breiter Straße und Kaiserring. Einzelne Straßen in den Stadtteilen und in der Innenstadt wollen wir komplett autofrei erklären, dafür muss ein entsprechendes Konzept erarbeitet werden. Ein erster Schritt muss die Erweiterung der Fußgängerzonen sein. Wir wollen auch die Parkkosten anpassen, um Verkehr zu vermeiden beziehungsweise zu lenken: In den Parkhäusern und Tiefgaragen im Stadtzentrum soll das Parken in den Quadraten teurer und am Rande des Zentrums günstiger, das Parken am Straßenrand im Zentrum ebenfalls teurer werden. Wir fordern eine generelle Parkraumbewirtschaftung. Es sollen keine weiteren Parkhäuser in der Innenstadt gebaut werden. Für Werbeanhänger und ähnliches, die oft sichtbehindernd geparkt werden, fordern wir die striktere Erhebung der Sonderparkgebühr. „Shared Space“ wollen wir mit Modellversuchen in der Innenstadt und in den Vororten testen. Als langfristiges Ziel streben wir die autofreie Innenstadt  an. Das soll schrittweise bis 2023 geschehen.

Mobilität und Umweltschutz

Ein wichtiger Baustein im Mix großstädtischer Mobilität für alle ist  Carsharing, also das gemeinsame Nutzen von Fahrzeugen. Ein gutes Carsharing-Angebot benötigt gut erreichbare und attraktive Carsharing-Stationen an zentralen Stellen. Die Stadt Mannheim muss dazu beitragen, dass das Netz an Stationen weiter ausgebaut wird, und dass ausreichend Stellplätze in der Innenstadt und in den Stadtteilen zur Verfügung stehen. Wir wollen eine Stadt der kurzen Wege, um Verkehr zu vermeiden: Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs sollen auch ohne Auto gut verfügbar sein. Dafür müssen die Stadtteilzentren gestärkt werden. Einkaufsmärkte „auf der grünen Wiese“ am Rande der Stadtteile lehnen wir ab. Die wichtigsten Einkäufe sollen zu Fuß oder mit dem Fahrrad „um die Ecke“ möglich sein. Zur Entlastung vom Durchgangsverkehr wollen wir durch Beschilderung und intelligente Systeme den Verkehr auf vorhandener Infrastruktur an den Zentren vorbei führen, LKW-Verkehr aus Innenstadt und aus den Stadtteilen so gut wie möglich heraushalten und ausschließlich auf vorgegebenen Strecken direkt von und zu den Betrieben zulassen. Unsere Forderungen zum Straßenbau lauten: Vor dem Bau neuer Straßen steht grundsätzlich die Instandhaltung vorhandener Infrastruktur, vor allem der Brücken. Die Westumfahrung muss zur Entlastung von Jungbusch, Neckarstadt und Innenstadt verwirklicht werden. Eine direkte Anbindung an die Südtangente lehnen wir jedoch ab, da hierdurch zusätzlicher Verkehr durch die Stadt geführt würde. Im Zusammenhang mit der Bundesgartenschau 2023 sollen keine neue Straßen gebaut werden, auch nicht zur Lösung der Frage, was mit der Straße am Aubuckel während der Bundesgartenschau passiert. Für die Bundesgartenschau fordern wir ein Verkehrskonzept, das vor allem den ÖPNV sowie den Fuß- und Radverkehr einbezieht. Dieses Konzept soll Bestandteil eines Gesamtverkehrskonzepts für Mannheim sein. Schließlich lehnen wir eine neue Rheinquerung bei Altrip ab.

Öffentlicher Personennahverkehr

Der ÖPNV hat bereits eine große Bedeutung für die Mobilität in Mannheim. Es gilt aber noch zahlreiche Verbesserungen durchzusetzen, damit noch mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Erfreulicherweise wurden einige unserer bisherigen Forderungen inzwischen umgesetzt, zum Beispiel der Bau der Stadtbahn Nord. Ebenso ist der 10-Minuten-Takt nach Wallstadt eingerichtet worden. Hier und andernorts muss aber noch nachgebessert werden.

Unsere wichtigsten Forderungen sind die Verdichtung des Taktes, möglichst ein genereller 10-Minuten-Takt bis 21 Uhr, die Taktung an zentralen Umsteigestellen wie Paradeplatz und Hauptbahnhof, mehr ÖPNV zu später Stunde, die Einrichtung neuer Haltestellen, der Ausbau der Straßenbahnhaltestelle Hauptbahnhof, die Einführung eines auch außerhalb der Quadrate gültigen Kurzstreckentickets, die Wiedereinführung des Ticket 24 Plus, die Einführung von Kombitickets bei Großveranstaltungen auf dem Maimarktgelände und in der SAP-Arena, die Einführung eines Sozialtickets, die Förderung von Tarifmaßnahmen wie Jobticket und Kombiticket, mehr Platz für Rollatoren, Rollstühle und Kinderwagen in den Transportmitteln und der Bau neuer Stadtbahnlinien. So fordern wir die Querspange vom Lindenhof zum Neckarauer Übergang („Glücksteinstraßenbahn“), die Erschließung der Konversionsgebiete von Anfang an, die Strecken nach Ladenburg (von Feudenheim über Ilvesheim) und Schwetzingen (von Rheinau über Brühl). Hier muss sich die Stadt Mannheim rechtzeitig um Mittel aus der Fortschreibung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes kümmern. Wir setzen uns außerdem für den Ausbau des OEG-Bahnhofs in Käfertal ein. Das ist unabdingbar für einen 10-Minuten-Takt nach Wallstadt und auf der Stadtbahn Nord. Wir sind für die Schaffung eines Fahrgastbeirates und grundsätzlich für die frühzeitige Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern bei der Aufstellung von Nahverkehrsplänen. Nicht zuletzt fordern wir Zugbegeliterinnen und Zugbegleiter in den S-Bahnen und mehr Personal für die anderen Bereiche des ÖPNV sowie vergleichbaren Lohn für deren Beschäftigten.

Mobilitätszentralen

Für mehr umweltfreundliche Mobilität ist die bessere Verknüpfung der einzelnen Verkehrsmittel elementar. Der Hauptbahnhof Mannheim ist dafür beispielhaft zu nennen: Dort fordern wir die Schaffung einer zentralen Umsteigestelle zwischen Stadtbahn, Stadtbus und den Zügen des Bahn-Fern- und Nahverkehrs einschließlich der S-Bahn. Voraussetzung dafür ist ein weiterer Bahnsteig für die Straßenbahnen auf dem Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptbahnhof. Ferner müssen mehr Fahrradabstellplätze für ein umweltfreundliches Park & Ride zur Verfügung stehen. An allen zentralen Haltestellen des ÖPNV muss künftig in unmittelbarer Nähe selbstverständlich sein: eine ausreichende Anzahl sicherer Fahrradparkmöglichkeiten, Carsharing- und Taxi-Stationen. Ebenso fordern wir eine Verbesserung der Übergänge von Bussen zu Stadtbahnen: Wo Haltestellen umgebaut oder neu eingerichtet werden, muss der Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln an denselben Bahnsteigen ermöglicht werden.

Busfernverkehr

Die Verkehrssituation rund um den Hauptbahnhof und Fernbusbahnhof Mannheim ist unhaltbar. Die Zu- und Ausfahrt des zentralen Busbahnhofs für Fern- und Reisebusse muss deshalb dringend in Angriff genommen werden: Wir fordern den Bau einer Querspange zur Ausfahrt der Busse von der Heinrich-von-Stephan-Straße zur Reichskanzler-Müller-Straße und außerdem die Einrichtung einer Fernbushaltestelle auf der Südseite des Hauptbahnhofs in Verbindung mit der Verlängerung des Posttunnels.

S-Bahn

Die S-Bahn Rhein-Neckar hat sich bewährt. Wir wollen diese Erfolgsgeschichte fortsetzen, die ja nicht nur dem Umweltschutz gute Dienste erweist, sondern auch dem Wirtschaftsstandort Metropolregion-Rhein-Neckar und der Lebensqualität. Wir setzen uns für ein zügiges Vorantreiben der zweiten Ausbaustufe der S-Bahn Rhein-Neckar ein. Dazu zählen der Ausbau auf den Stammstrecken zwischen Neustadt und Heidelberg in Ost-West-Richtung sowie zwischen Graben-Neudorf und Biblis beziehungsweise Weinheim in Nord-Süd-Richtung, der Ausbau der Haltestellen Seckenheim und Rheinau, der Umbau des Halts in Käfertal mit Verlagerung unter die Straßen- und Straßenbahnüberführung mit Kombinationshalt, der Bau einer neuen Haltestelle in Schönau/Blumenau, der Umbau des nach Südwesten zu verlagernden Bahnhofs Neckarau als Kompaktbahnhof sowie der barrierefreie Ausbau aller Haltestellen.

Hafen

Die Häfen Mannheim und Ludwigshafen sollen fusioniert und danach als städtische Gesellschaft weiter betrieben werden. Wir sind für die Förderung der Trimodalität im Mannheimer Hafen und für seine wirtschaftliche Fortentwicklung. Kulturdenkmäler wie Teufelsbrücke, Mühlaubrücke und Hubbrücke sollen dabei als stadtbildprägende Industriedenkmäler erhalten bleiben.

Verkehrslandeplatz

Wir sprechen uns für die Schließung des Verkehrslandeplatzes in Neuostheim aus. Das frei werdende Gelände soll als Frischluftschneise/Landschaftspark vorgehalten werden. Gegen den Flugplatz in Mannheim sprechen unter anderem Sicherheits- und Umweltbedenken, der Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner und das Defizit, das sein Betrieb dem städtischen Haushalt indirekt beschert. Aus den gleichen Gründen lehnen wir auch einen alternativen Standort im Stadtgebiet ab. Die Fahrzeit zum Flughafen Frankfurt/Main beträgt mit dem ICE etwa eine halbe Stunde. Mannheim ist damit optimal an den internationalen Flugverkehr angeschlossen. Auch der Geschäftsflugverkehr kann über nahe gelegene Flughäfen zufriedenstellend abgewickelt werden.